Wildkräuter sammeln: würzig-herber Gundermann

Seit einigen Monaten leben wir sehr naturnah am Waldrand. Direkt vor der Haustür gibt es eine neue Welt zu entdecken, die mich fasziniert: Die Welt der wilden Pflanzen und Kräuter. Korb schnappen, Schere nicht vergessen und auf geht es zum Sammeln. Ich habe richtig Lust auf selbstgepflückten Tee oder einen nährstoffreichen Wildkräutersalat. Damit ich mein neues Hobby auch überlebe, sind ein paar schlaue Apps zur Bestimmung der Pflanzen notwendig (z.B. AndygreenEssbare Wildpflanzen). Mithilfe der Apps habe ich festgestellt, dass vor allem ein Pflänzchen sehr zahlreich in der Nähe wächst: der Grundermann, auch Gundelrebe oder Erdefeu genannt.

Das kleine und recht unscheinbare Kraut wächst an vielen Orten, ist relativ anspruchslos und die frischen Blättchen kannst du fast das ganze Jahr über ernten. Von März bis Juni sind die zarten blau-violetten Blüten ein schöner Hingucker. Der Gundermann ist eine uralte Würz- und Heilpflanze, die bei den Germanen und Kelten als magisches Schutzkraut galt. Hildegard von Bingen empfahl Gundermann als Stärkungsmittel, gegen Tinnitus oder Halserkrankungen. Auch Entzündungen und Wunden sollen schneller heilen mit einer Tinktur aus Gundermannblättern. Gundermanntee wird heute gern zur Reinigung des Körpers und zur Anregung des Stoffwechsels getrunken – zum Beispiel während einer stärkenden Frühjahrskur. Die Eigenschaften der Gundelrebe:

  • Entzündungshemmend
  • Ausleitend
  • Schleimlösend
  • Krampflösend
  • Stoffwechselfördernd

Wenn du den Gundermann nicht als Heilpflanze nutzen willst, kannst du das Kraut auch einfach so in deiner Wildkräuterküche genießen. Die Blüten und Blätter des Lippenblütlers, der gern an Hecken, Wegrändern oder auf lichten Wiesen wächst, eignen sich frisch oder getrocknet hervorragend zum Würzen von Salaten oder Suppen. Auch in einer Kräuterbutter, dem Kräuterquark oder zu Bratkartoffeln macht sich das würzig-herbe Aroma der Gundelrebe sehr gut. Oder du probierst mal meine Rezepte für einen Wildkräutersalat oder den Frühjahrstee!

Stärkender Wildkräuter-Frühjahrssalat

  • Löwenzahnblätter (2 Hände voll)
  • Brennessel, Brunnenkresse und Schafgarbe (je 1 Hand voll Blätter)
  • Gänseblümchen (1 Hand voll Blüten)
  • 8-10 Gundermannblättchen und einige Blüten 
  • Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Olivenöl
  • 1 Bund Schnittlauch, ein paar Blättchen Petersilie

Die Brennessel einige Minuten mit einem Nudelholz walzen, damit ihre Brennhaare unwirksam werden. Anschließend mit den anderen Wildkräutern kleinschneiden. Die Gundermannblättchen, Schnittlauch und Petersilie sehr fein hacken und daraus mit dem Öl, Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft die Marinade herstellen. Den fertigen Salat mit den Gänseblümchen und den Gundermannblüten dekorieren!

Entgiftender Frühjahrstee

Brennessel- und Gundermannblätter (je ca. 20 Gramm) mit jungen Birkenblättern (ca. 40 Gramm) mischen und davon 1 TL mit heißem Wasser übergießen. Fünf Minuten ziehenlassen und abgießen, mehrmals täglich eine Tasse davon trinken.

PS: Wenn du noch nie Wildkräuter gegessen hast, wirst du merken, dass sie anders schmecken als gewöhnlicher Salat oder Kräuter aus dem Supermarkt. Wildkräuter sind sehr geschmacksintensiv, vor allem der Gundermann. Mische deshalb zu Beginn normalen Salat mit Wildkräutern und taste dich langsam an die wilden Zutaten heran. Guten Appetit und viel Freude beim Sammeln und Zubereiten der wilden Kräuter!